Welche Arten von Wärmebrücken gibt es?

 

Bei der größten und wichtigsten Gruppe handelt es sich um so genannte linienförmige Wärmebrücken. Zu dieser Gruppe zählen:

 

wbDurch Baustoffeigenschaften (Material) bedingte Wärmebrücken.

wbDurch die Konstruktion bedingte Wärmebrücken.

wbDurch die Geometrie bedingte Wärmebrücken.

 

 

1. Materialbedingte Wärmebrücken

Stoff- oder materialbedingte Wärmebrücken entstehen durch einen Wechsel der Wärmeleitfähigkeit innerhalb eines Bauteils. Typische Beispiele dafür sind:

 

 

wbEine das Außenmauerwerk unterbrechende Stahlbetonstütze, Ringanker, Betonsturz


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wbEin unzureichend gedämmter Fenstersturz

 

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wbEine auskragende Stahlbetonplatte (Balkon)

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2. Geometrische Wärmebrücken 

Geometrischbedingte Wärmebrücken entstehen dort, wo die wärmeaufnehmende Innenoberfläche und die wärmeabgebende Außenoberfläche unterschiedlich groß sind. Das ist beispielsweise an Gebäudekanten und – ausgeprägter noch – an Gebäudeecken der Fall. Geometrische Wärmebrücken können nicht vollständig vermieden werden. Eine gute Wärmedämmung der Außenwand kann ihre Wirkung und somit den erhöhten Wärmestrom jedoch deutlich reduzieren.

 

Ein typisches Beispiel einer Wärmebrücke, die sowohl eine materialbedingte als auch eine geometrische Ursache hat, ist die mauerwerks- und gegebenenfalls dämmschichtdurchstoßende Bauteil (hier Torbogen).

 

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Neben der ca. 5- bzw. 50-fach höheren Wärmeleitfähigkeit des Stahlbetons gegenüber eines üblichen Mauerwerks oder Dämmstoffs entsteht hier zusätzlich ein „Kühlrippeneffekt“, der die Wärmebrückenwirkung eines thermisch nicht getrennten Bauteils noch verstärkt. Ausführlich wird diese Form von Wärmebrücken unter Wärmebrücken vermeiden erläutert.

 

 

3. Konstruktive Wärmebrücken

Die Gruppe der konstruktiven Wärmebrücken unterscheidet sich kaum von den materialbedingten Wärmebrücken. Ihre Ursache liegt in erster Linie in planerischen Zwängen oder baulicher Notwendigkeit. Als Vertreter dieser Wärmebrückenkategorie könnte der Rollladen oder ein Regenfallrohr inner- halb eines Wärmedämmverbundsystems bezeichnet werden. Ebenso kann man einen Bauteilwechsel (Fensteranschluss) als konstruktive Wärmebrücke bezeichnen.

 

 


 

Sonderformen

Neben den oben gezeigten Beispielen gibt es aber auch noch weitere Arten, die in erster Linie hinsichtlich der Bauschadensvermeidung zu beachten sind. Neben der Ursache ihres Entstehens werden Wärmebrücken zusätzlich nach ihrer Form unterschieden. So können Wärmebrücken nicht nur als linienförmige sondern auch als punktuelle oder dreidimensionale Schwachstellen in der thermischen Gebäudehülle auftreten.

 

 

1. Punktuelle Wärmebrücken

Punktuelle Wärmebrücken sind Störungen in der thermischen Gebäudehülle, welche auf einen Punkt bezogen werden können. Typische Vertreter dieser Gruppe sind:

 

wbDämmschichtdurchstoßende Stützen

wbBefestigungsdübel von Wärmedämmverbundsystemen

wbMauerwerksanker von hinterlüfteten Vorhangsystemen

wbEinzelkragarme von Balkon- oder Vordachsystemen

 

Der zusätzliche Wärmeverlust durch punktuelle Wärmebrücken ist bezogen auf den Gesamtwärmeverlust eines Gebäudes oft vernachlässigbar. Innerhalb der EnEV werden punktuelle Wärmebrücken nicht berücksichtigt. Allerdings ist darauf zu achten, dass es nicht zu Schäden durch Tauwasserausfall kommt.

 

 

2. Dreidimensionale Wärmebrücken

In Raumecken treffen drei linienförmige Wärmebrücken aufeinander und bilden folglich ein dreidimensionales Temperaturfeld aus. In diesen Ecken stellen sich noch tiefere innere Oberflächentemperaturen als in den Bereichen der zweidimensionalen Kanten ein. Hier liegt daher das höchste Risiko einer Schimmelpilzbildung und Tauwasserentstehung.

 

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3. Konvektive Wärmebrücken

Konvektive Wärmebrücken entstehen durch Undichtigkeiten (Bauteilfugen, Durchführungen von Installationsleitungen, usw.) in raumabschließenden Bauteilen. Durch diese wird Wärmeenergie infolge konvektiver Mitführung von Luft, Gasen oder Flüssigkeiten vom Warmen ins Kalte transportiert. In der Baupraxis werden diese Wärmebrücken durch Optimierung der luftdichten Gebäudehülle minimiert. Kommt es dagegen doch zu einer konvektiven Wärmebrücke, ist in der Regel eine fehlerhafte Bauausführung dafür verantwortlich. Eine häufige Ursache von konvektiven Wärmebrücken ist der man- gelhafte und undichte Anschluss zwischen Außenwand und Fenster.

 

Beim nachfolgenden Thermogramm kann man an der oberen Dachkante deutlich die konvektive Wärmebrücke erkennen. Durch eine mangelhafte und fehlende Luftdichtheitsebene auf der Innenseite der Dachfläche entweicht warme Raumluft und heizt die Dachkante sichtbar auf.

 

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4. Wärmebrücken durch unsachgemäße Ausführung

Neben den Leckagen in der luftdichten Ebene durch unsachgemäße Bauausführungen entstehen auf Grund von handwerklichen Umsetzungsfehlern oftmals auch noch eine weitere Art von Wärmebrücken. Typische Baumängel, die zu weiteren Wärmebrücken führen. Dazu zählen:

 

wbFehlende oder nicht vollständige Gefachdämmungen

wbMit Mörtel verfüllte Mauerwerkslücken bei monolithischen Außenwänden

wbNicht satt gestoßene Dämmstoffplatten bei Wärmedämmverbundsystemen

wbMörtelreste im nachträglich gedämmten Hohlraum einer zweischaligen Außenwand

wbZu große Dämmstoffaussparungen bei Kellerdeckenbeleuchtungen oder punktuellen Durchdringungen