Einführung


Als Wärmebrücken bezeichnet man Bereiche in der thermischen Gebäudehülle, bei denen aufgrund von

wbMaterialwechsel in der Bauteilebene,
wbder Bauteilgeometrie,
wbkonstruktiven Zwängen oder Fugen und
wbUndichtigkeiten

während der Heizperiode gegenüber dem ungestörten Bauteil erhöhte bzw. zusätzliche Wärmeabflüsse auftreten, so dass die Oberflächentemperatur auf der inneren Seite von Außenbauteilen örtlich begrenzt stark absinkt.

Temperaturfeld 



Die beiden Abbildungen zeigen den horizontalen Temperaturverlauf in diesem Außenbauteil. Die eingezeichneten Linien verbinden Punkte mit gleicher Temperatur und werden Isothermen genannt. Die beiden roten Linien stellen die 10°- und 5°-Isotherme dar.

 

Die Grafiken zeigen einen Außenwandabschnitt und das Absinken der inneren Oberflächentemperatur und somit die Wärmebrückenwirkung.

wb1. an einer Stahlbetonstütze im Mauerwerk,
wb2. in der Ecke einer Außenwand und
wb3. am seitlichen Fensteranschluss .

Im unsanierten Zustand beträgt die Innenoberflächentemperatur an der Stahlbetonstütze 6,8° C, in der Ecke 8,4 °C und in der Fensterlaibung 11,2°C.

 

Auf Grund der Zweifachwirkung von Wärmebrücken (erhöhter Wärmeabfluss und Temperaturabsenkung) sind zur Kennzeichnung in der Regel auch zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Kenngrößen erforderlich.

 

Wärmedurchgangskoeffizienten ψ

Hinsichtlich des erhöhten Wärmeabflusses wird vergleichbar zum U-Wert eines Bauteils als Maß für die Wärmebrückenwirkung der Begriff des längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten ψ mit der Einheit W/(mK) verwendet. Der ψ-Wert hängt von verschiedenen Einflussgrössen ab:

wbder Qualität der Konstruktion, 
wbder verwendeten Abmessungen,
wbder U-Werte der ungestörten Bauteile.

Der längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten ψ spielt in Verbindung mit Wärmebrückennachweisen innerhalb von öffentlich-rechtlichen Energiesparnachweisen und Energieausweisen eine Rolle.

 

Temperaturfaktor fRsi

Für den Effekt der Temperaturabsinkung dient zur Kennzeichnung der dimensionslose Temperaturfaktor fRsi oder auch der Temperaturdifferenzquotient Q. Aus feuchteschutztechnischen Gründen sollte die Innenoberflächentemperatur niemals unter 12,6° C absinken. Das kann mit der Ab einem Temperaturfaktor fRsii ≥ 0,7 wird dieses Kriterium erfüllt. 


Der Temperaturfaktor fRsii spielt in Verbindung mit der Feststellung der Schadensfreiheit von Bauteildetails ein Rolle.

Über den Wärmedurchgangskoeffizienten ψ-Wert kann hingegen keine Abschätzung hinsichtlich der zu erwartenden Temperaturabsenkung und der Schadensfreiheit erfolgen.