Wärmebrücken im Passivhaus

 

Die Art der Wärmebrücken in einem Passivhaus unterscheidet sich im Prinzip nicht von denen in anderen Gebäuden. Allerdings ist bei der Passivhausplanung, anders als in konventionellen Gebäuden, eine Optimierung und eine genaue Berücksichtigung aller Wärmebrücken unumgänglich. In ungünstigen Fällen können Wärmebrücken in einem Passivhaus mehr als 50 % der Transmissionswärmeverluste verursachen.


Ein Passivhausstandard ist ohne eine umfangreiche Wärmebrückenplanung nicht möglich. Werden die Wärmebrücken bei der Planung und Ausführung nicht berücksichtigt oder unterschätzt, könnte das eine Überschreitung des zulässigen Heizwärmebedarfs zur Folge haben. Und selbst wenn der Heizwärmebedarf für ein gebäude in der Summe erreicht wird, kann unter Umständen die Restheizung die erhöhte Heizlast in den betroffenen Bereichen nicht decken. Das hat zu Folge, dass die erforderlichen Raumtemperaturen unterschritten werden.

Eine Kompensation durch den Einsatz von noch höheren Dämmstoffdicken ist i.d.R. nicht möglich. Wenn doch, führt das zu erheblichen zusätzlichen Baukosten und damit zu unwirtschaftlichen Konstruktionen.

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Im Idealfall sollten im Passivhaus die Wärmebrücken soweit reduziert werden, dass keine zusätzlichen Wärmeverluste auftreten oder sogar negative Wärmebrückenbeiträge generiert werden können. Werden die Wärmebrücken bei der Planung und Ausführung nicht berücksichtigt oder unterschätzt, besteht das Risiko einer Überschreitung des zulässigen Heizwärmebedarfs von maximal 15 kWh/(m2a). Unter Umständen kann die Restheizung die erhöhte Heizlast nicht decken und die erforderlichen Raumtemperaturen werden unterschritten.

 

Wärmebrückefreie Konstruktion

Zur Vermeidung von zusätzlichen Wärmeverluste und Schadensrisiken wird für Passivhäuser das „Prinzip des wärmebrückenfreien Konstruierens“ verfolgt. Ein Gebäude gilt als wärmebrückenfrei, wenn die Summe aller Wärmebrückeneffekte kleiner oder gleich Null ist und somit der Transmissionswärmeverlust des Gebäudes nicht erhöht wird. Das Kriterium gilt als hinreichend genau erfüllt, wenn für alle linearen Wärmebrücken ein längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient Ψ ≤ 0,01 W/(m·K) eingehalten wird. Regelmäßige Wärmebrücken (z. B. Holzbalken oder Ständerwerk) müssen die Bedingung nicht erfüllen, wenn die Wärmebrückeneffekte hier bereits im Wärmedurchgangskoeffizienten U des Bauteils berücksichtigt sind.

 

Auch die Anschlusswärmebrücken bei Fenstern werden zweckmäßigerweise in den Fenster-U-Wert eingerechnet. Schwachstellen der Gebäudehülle können Architekten und Bauherren leicht erkennen, wenn sie in den Grundrissen und Schnitten mit einem Stift die Dämmebene des Gebäudes umfahren. Fehlstellen, Absätze, Schwächungen und Kanten müssen auf ihre Wärmebrückenwirkung überprüft werden. Bei vielen Standarddetails kann dabei auf Detailkataloge mit wärmebrückenfreien Konstruktionen zurückgegriffen werden, welche bereits für verschiedene Bausysteme entwickelt wurden. Für abweichende Details muss in der Regel eine Wärmebrückenberechnung durchgeführt werden.

 

Kostensenkung durch Wärmebrückenberechnung

Im Idealfall werden im Passivhaus nur die als problematisch identifizierten Wärmebrücken genauer untersucht. Und nur diese gehen in die Wärmebrückenberechnung in die Passivhausprojektierung (PHP) mit ein. Da die Wärmebrückenberechnung und damit auch die PHP in vielen Fällen positiver ausfällt, wenn auch die negativen Wärmebrücken bilanziert werden, ist es gängige Praxis sämtliche vorhandenen Wärmebrücken zu bilanzieren.

 

Insbesondere Projektentwickler machen sich bei großen Projekten diese Stellschraube zu Nutzen, um an anderer Stelle z.B. Dämmstoffdicken reduzieren zu können. Sinnvoll ist diese Vorgehen allerdings nur, wenn ein Heizsystem zur Deckung des Restheizwärmebedarfs Verwendung findet. Andernfalls geht man das Risiko ein, dass es zwar auf dem Papier ein Passivhaus ist, die erfordlichen Sollinnentemperaturen aber trotzdem nicht immer erreicht werden.