Wärmebrücken vermeiden

 

Zukunftsfähige Gebäudesanierungen erfordern eine wärmebrückenreduzierte Gebäudehülle, um unnötige Energieverluste und Feuchteschäden zu vermeiden. Hierzu ist es für den Fachplaner notwendig, gewisse Konstruktionsprinzipien zu beachten. In diesem Teil werden Empfehlungen, Verfahren und Hilfestellungen vorgestellt, mit denen fachgerechte Wärmebrückenminimierungen umgesetzt werden können. Hierbei ist es allerdings nicht möglich, alle auftretenden Wärmebrücken zu behandeln und Lösungsvorschläge bereitzustellen. Die hier vorgestellten Beispiele sollen aber verdeutlichen, wie an die Planungsaufgabe herangegangen werden sollte.

 

Grundsätzliches zur Verringerung von Wärmebrücken

Es ist stets darauf zu achten, dass die wärmedämmende Hülle in keinem Bereich des Gebäudes geschwächt oder unterbrochen wird. Diese Vorgabe kann insbesondere in der Altbausanierung nicht immer konsequent eingehalten werden. Deshalb ist es notwendig zu Beginn des Planungsprozesses den Verlauf der thermischen Hülle genau zu definieren. Um einen idealen Überblick möglicher Schwachpunkte zu erhalten, sollte die thermische Hülle im Schnitt und im Grundriss der Baupläne eingezeichnet bzw. markiert werden.

 

Folgende Fragen sind in diesem Zusammenhang zu beachten:

 

wbKann die thermische Hülle so gelegt werden, dass eine einfache Form entsteht? 

wbKönnen Durchdringungen wie auskragende Balkonplatten oder Vordächer vermieden werden? 

wbKönnen die Dämmschichten verschiedener Bauteile lückenlos an den Stoßstellen ineinander übergehen?

wbKönnen Bauteilanschlüsse so gelegt werden, dass die Mittellinien der Dämmebenen im Wesentlichen

aufeinander treffen?

 

Die Anwendung dieser einfachen Grundregeln erfordert noch keine heraus-ragenden technischen Kenntnisse oder eine ausführliche Detailplanung bzw. Zusatzhilfsmittel wie Wärmebrückenkataloge oder spezielle Berechnungsprogramme. Die Auswirkungen der genannten Vorgaben haben auf den Heizwärmebedarf jedoch einen sehr großen Einfluss.

 

In der Regel führen bereits flankierende Dämmmaßnahmen oder das „Umhüllen“ von Bauteilen sowie einfache Konstruktionsänderungen dazu, dass der Wärmebrückeneffekt wesentlich reduziert wird. Im Folgenden finden Sie eine Sammlung von Details und Anschlüssen bei denen grundsätzlich auf die Wärmebrücken geachtet werden muss. Gleichzeitig werden möglich Gestaltungsregeln aufgezeigt.

 

 

wbFenster sollten beim Neueinbau oder Austausch mindestens an die Vorderkante der Außenwand oder gar in die

Dämmebene gerückt werden.

 

wbAuskragungen wie Balkone sind möglichst zu vermeiden oder zumindest thermisch zu entkoppeln.

Entsprechende Lösungen finden Sie unter WB-Produkte.

 

wbBei der Dämmung der Außenwand sollte die Dämmung auch im Bereich des Sockels bis ins Erdreich ausgeführt

werden. Im Neubau sollte auch im unbeheizten Keller die Kellerwand vollständig gedämmt werden. 

 

wbEine Brüstung oder die Attika eines Flachdachs sollten abgebrochen oder mindestens vollständig mit Dämmstoff

eingepackt werden.

 

wbBei dem Anschluss der Obersten Geschossdecke an die Giebelwand sollte die Giebelwand auf der Innenseite

mit einem Dämmstreifen versehen werden.

 

wbDie Mauerkronen von Giebel-, Gebäudetrenn- oder Innenwänden, die in die Dachdämmung einbinden, sollten

mit einer Kopfdämmung versehen werden.

 

wbAm Traufanschluss ist stets zu beachten, dass Fassaden- und Dachdämmung lückenlos aneinander stoßen

können. In einigen Fällen muss mit einem Aufscheibling die Vorraussetzung dafür hergestellt werden.

 

wbTerrassenanschlüsse werden oft statisch/konstruktiv mit der Fassade verbunden. Hier sollte eine nachträgliche

thermische Trennung erfolgen.

 

wbIm Altbau vorhandene Rollokästen müssen mit Dämmstoff ausgekleidet werden, sofern die Fenster nicht

erneuert oder in der alten Bauebene verbleiben sollen.

 

wbBei an die Dämmebene vorgerückten Fenstern sollte der alte Rollokasten stillgelegt und mit Dämmstoff

ausgefüllt werden, so dass mit Mini-, Vorsatz- oder Vorbaurollokästen ein wärmebrückenarmer Fenstersturz ausgebildet werden kann.

 

wbZwischen Fensterbank und Mauerwerk an der Brüstung muss eine Dämmlage, die sich an den Fensterrahmen

anfügt, eingebaut werden.

 

wbEine Dachbodenluke kann mit einem Dämmstoffdeckel versehen werden.

 

wbAufsteigende Wände oder Stützen bei Hofdurchfahrten sollten bei außen gedämmten Decken eine

Dämmschürze am oberen Anschluss erhalten. Die vollflächige Dämmung der Wände ist in der Regel auf Grund des beengten Raumangebots der Durchfahrt nicht möglich. Befinden sich hinter den Wänden beheizte Räume, sollte zusätzlich eine Innendämmung angebracht werden.

 

wbEinbindende Wände bei Innendämmmaßnahmen sollten für eine Wärmebrückenminimierung Dämmkeile im

Anschlussbereich erhalten.

 

wbUm eine Dämmstoffaussparung zu vermeiden, ist eine Deckenbeleuchtung abzumontieren und später wieder

auf der Kellerdeckendämmung zu befestigen. Ebenso ist bei Fassadenlampen vorzugehen, wenn ein Wärmedämmverbundsystem aufgebracht wird.

 

wbUm die Wärmebrückenwirkung von Sparren in der Dachdämmung zu reduzieren, sollte entweder eine

vollflächige Aufsparrendämmung montiert werden oder bei einer zusätzlichen Dämmung auf der Innenseite die Unterkonstruktion quer zum Sparren verlaufen. Eine Erhöhung des Sparrenquerschnitts durch Aufdopplung in Sparrenrichtung ist nicht vorteilhaft und sollte vermieden werden.

 

wbKellerunterzüge sollten komplett eingepackt werden, sofern es die Durchgangshöhe zulässt.

 

 

Diese Lösungsvorschläge werden sicher nicht alle Möglichkeiten abdecken können bzw. stößt an einigen Stellen auch an konstruktive Grenzen. Ausschlaggebend ist es, jedes vorhandene Detail zu betrachten und eine individuelle Kompensationsmaßnahme zu erarbeiten. Es ist aber vom Planer immer darauf zu achten, dass die entworfenen Wärmebrückendetails auch auf der Baustelle handwerklich umsetzbar sein müssen.

 

Ganz gleich ob es darum geht, die Gleichwertigkeit gemäß Beiblatt 2 für die EnEV-Wärmeschutzberechnung nachzuweisen, die Tauwassergefahr auszuschließen oder den zusätzlichen Energieverlust zu minimieren, es stehen genügend geeignete Maßnahmen zur Verfügung, das Wärmbrückenproblem lösen zu können. Eine qualifizierte Bewertung, eine detaillierte Planung und die fachgerechte Ausführung sind für die Umsetzung einer annähernden wärmebrückenfreien Gebäudehülle aber stets erforderlich.