Genauer bzw. detaillierter Wärmebrückennachweis

 

Bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden tritt häufig der Fall ein, dass aufgrund von konstruktiven Zwängen oder gestalterischen Wünschen die wärmeschutztechnischen Vorgaben des Beiblatts 2 der DIN 4108 nicht eingehalten werden können. Wird nur bei einem relevanten Wärmebrückendetail das konstruktive Grundprinzip nicht umgesetzt oder der entsprechende Referenzwert des Planungsbeispiels nicht erreicht, ist die Gleichwertigkeit, die zum Ansatz des reduzierten Wärmebrückenzuschlags ΔUWB = 0,05 W/(mK) für das Gesamtgebäude berechtigt, nicht gegeben.

 

Typische Beispiele für Wärmebrücken, die nicht über die Gleichwertigkeit nachgewiesen werden können:

wbthermisch nicht entkoppelte Balkon-, Terrassen- oder Garagenanschlüsse
wbSockelausbildungen ohne Perimeterdämmung
wbInnenwand- und Deckenanschlüsse von innen gedämmten Fassaden
wbmanche Fenstereinbausituationen
wbDachortgänge ohne Kopfdämmung

 

Um dennoch nicht auf den ungünstigen pauschalen Wärmebrückenzuschlag ΔUWB = 0,10 W/(mK) oder sogar ΔUWB = 0,15 W/(mK) bei der Energiebilanz zurückgreifen zu müssen, besteht die Möglichkeit, die zusätzlichen Energieverluste durch Wärmebrücken in der Gebäudehülle genau bzw. detailliert zu berechnen. Hierbei entsteht ein zusätzlicher Berechnungsaufwand. Darüber hinaus ist zu beachten, dass bei einer Berücksichtigung der Planungsdetails des Beiblatts 2 eine Schädigung durch Tauwasser- und Schimmelpilzbildung weitgehend ausgeschlossen ist. Bei der genauen Berechnung müss im Falle von gegenüber dem Beiblatt 2 abweichende Wärmebrückendetails diese auch auf niedrige Innenoberflächentemperaturen und damit auf Schadensfreiheit untersucht werden.

 

Vorgehensweise bei der Erstellung eines detaillierten Wärmebrückennachweises.

Das Aufstellen eines detaillierten Wärmebrückennachweises lässt sich in vier Abschnitte aufteilen:

 

wb1. Untersuchung der Konstruktion und Aufnahme der Wärmebrücken
wb2. Ermitteln des längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten
wb3. Erstellung eines Längenaufmaßes
wb4. Berechnung des gesamten zusätzlichen Wärmedurchgangs

 

Im ersten Schritt wird ermittelt, welche Wärmebrücken am Gebäude vorhanden sind. In der Regel werden nur lineare Wärmebrücken aufgenommen. Im Gegensatz zum Gleichwertigkeitsnachweis gemäß Beiblatt 2 der DIN 4108 sind hier sämtliche Wärmebrücken zu betrachten. Auf eine Bagatellregelung, die nur bestimmte zu berücksichtigende Wärmebrücken vorsieht, kann beim genauen Nachweis nicht zurückgegriffen werden.

 

Nur punktuelle und dreidimensionale Wärmebrücken sind wegen der begrenzten Flächenwirkung im Wärmeschutznachweis vernachlässigbar. Eine Untersuchung hinsichtlich Tauwasserfreiheit kann aber auch für diese Details gegebenenfalls notwendig sein.

 

Eine Zusammenstellung von möglichen Wärmebrücken, die an einem Gebäude und beim detaillierten Nachweis zu beachten sind, finden Sie unter der Wärmebrücken Übersicht. Diese Übersicht kann zwar nicht alle tatsächlich möglichen Konstruktionen und Details vollständig abdecken. Jedoch bietet Sie zunächst eine sehr guten Anhaltspunkt für die praktische Arbeit. Denn selbst einfache Häuser weisen oft 15 und weit mehr Wärmebrückendetails auf.

Nachdem die vorhandenen Wärmebrücken zusammengestellt sind müssen noch die dazugehörigen Längen der jeweiligen Wärmebrücken ermittelt werden. Hierbei gilt analog zur Flächenermittlung der thermischen Gebäudehülle der Außenmaßbezug.

 

Ermittlung des längenbezoge Wärmedurchgangskoeffizient Ψ

Sind alle am Gebäude vorhandenen Wärmebrücken identifiziert, muss im nächsten Schritt der längenbezoge Wärmedurchgangskoeffizient Ψ ermittelt werden. Für ein Neubauvorhaben stünden hierfür zahlreiche Wärmebrückenkataloge und Wärmebrückendatenbanken von Herstellern verschiedener Bauprodukte als Hilfsmittel zur Verfügung. Trotzdem finden sich bei nahezu jedem Bauvorhaben Details, die nicht in einem Katalog erfasst sind. Für die Altbausanierung fehlen solche Kataloge fast gänzlich. Hier muss dann mit entsprechender Software der Ψ-Wert berechnet werden. Wie eine solche thermische Simulation durchzuführen ist, wird in der DIN 10211 geregelt.

 

In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass man auf Grundlage der im Beiblatt 2 angegebenen Referenzwerte keinen detaillierten Wärmebrückennachweis führen darf.

 

Um die zusätzlichen Wärmeverluste berechnen zu können, müssen noch die Längen der einzelnen Wärmebrücken herangezogen werden. Mit den ermittelten Längen kann dann der Anteil der Wärmbrücken am Transmissionwärmeverlust des Gesamtgebäudes berechnet werden.

 

Wärmebrücken, die nicht an die Außenluft grenzen, wie z. B. Anschlüsse der Innenwand mit der Bodenplatte auf Erdreich oder mit der Kellerdecke gegen unbeheizt, dürfen über einen Temperaturkorrekturfaktor reduziert werden.